Sommer 2025 – der fünfte Sommer ohne Karsten und der fünfte Urlaub. Den brauchte ich dringend – die letzten Monate waren intensiv. Entwickungsintensiv, gefühlsintensiv, arbeitsintensiv. Viel Gutes. Und einfach VIEL. Das darf ich erst einmal verarbeiten und dazu ist es gut, auch räumlich Abstand zu gewinnen.
Meine Gedanken gehen zurück zu den Urlauben der letzten Jahre … Wie kann ich Urlaub machen nach dem Verlust meines Herzensmenschen und Reisepartners?
Rückblick
2021: Zwei Monate nach Karstens Tod buche ich mit meinen Söhnen eine Woche Allgäu. Einfach mal raus! Die frische Luft, die Bewegung, die Weite auf dem Berg und die Dreisamkeit tun uns gut. Karsten ist bei uns und fehlt gleichzeitig unendlich.
2022: SeelenSport®-Erholungswoche für Trauernde in Tirol. Mit Bammel im Bauch fahre ich direkt aus der Reha dorthin – und fühle mich mit meiner Trauer und Erschöpfung willkommen, gesehen und geborgen. Hier muss ich mich nicht erklären, darf einfach sein und fahre gestärkt und ermutigt heim.
2023: Wieder die Erholungswoche und doch anders. Ich stehe stabiler und fühle gleichzeitig intensiver. Ein bisschen wie erwacht. Und ich darf neben vielen Tränen die ersten Glücksmomente erleben!
2024: Zum ersten Mal traue ich mich wieder auf unsere Herzensinsel Föhr, mit meiner Schwester an der Seite. Freude und Trauer dicht beieinander, oft gleichzeitig, und vor allem ganz viel Liebe und Verbindung. Die meisten Tränen fließen, als ich die Insel wieder verlasse – mit dem festen Vorsatz wiederzukommen.
Zum ersten Mal allein im Urlaub
2025: Wieder bin ich auf Föhr – zum ersten Mal allein in einer Ferienwohnung! Ich habe mir nicht viel vorgenommen, freue mich vielmehr darauf, meiner Intuition zu folgen.
Es wird ein Urlaub mit Höhen und Tiefen und ganz viel Gleichzeitigkeit.
Ich genieße es sehr, in meiner wunderschön und liebevoll eingerichteten Ferienwohnung ganz bei mir und meinen Bedürfnissen zu sein. Auf niemanden muss ich Rücksicht nehmen, ich lebe nach meinem eigenen Rhythmus und kann ganz so sein, wie ich gerade bin. Ich fühle mich wie die Königin in ihrem Reich. Zum ersten Mal seit Studienzeiten kaufe ich nur für mich ein – was brauche ICH, wonach ist MIR gerade? Ganz schön ungewohnt und ein echter Luxus!
Die ganze Palette
Dann wieder sitze ich heulend allein am Frühstückstisch und vermisse Karsten unendlich. Und ich hocke abends weinend auf dem Sofa, schaue ins Kerzenlicht und es fühlt sich so an, als würde ich nie wieder aus diesem Trauermeer auftauchen. Es fühlt sich verzweifelt an und doch ganz nah bei Karsten und mir. Da ist es auch egal, wie oft ich das schon erlebt habe – in diesen Momenten ist es immer überwältigend. Meine „Tools“ helfen mir ein bisschen in dem Moment und mehr danach. Und immer bin ich danach weicher und leichter.
Es tut mir gut, mal allein am Strand zu sein, mich treiben zu lassen, zu lesen, meinen Gedanken nachzuhängen und alles zu fühlen, was sich gerade zeigt: Freude, Entspannung, Wehmut, Sehnsucht, Traurigkeit, Dankbarkeit, Verbindung, Ehrfurcht, Glück, teils gleichzeitig oder schnell wechselnd wie das Wetter auf Föhr. Das bin ich, das alles gehört zu mir und ich gehöre hierher!
Herzensmenschen und Überraschungen
Ganz allein bin ich trotzdem nicht auf der Insel: Meine Freundin ist gleichzeitig hier und wir sind viel zusammen unterwegs, mit dem Rad, am Strand, im Café. Wir genießen das Meer und die Weite des Watts, Wind, Wolken und Sonne. Bei Schietwetter wird es gemütlich mit Spielen und Tee. Wir können zusammen reden, lachen, weinen und schweigen. Und auch bei ihr kann ich echt sein.
Mit dem Katamaran mache ich einen Tagesausflug nach Sylt und verbringe einen Tag mit meiner Freundin, die gerade hier Urlaub macht. Dünen und Brandung sind beeindruckend und wir haben einen schönen Tag zusammen. Zurück auf Föhr merke ich, wie mich die Ruhe der sanft plätschernden Wellen in der „Friesischen Karibik“ entspannt – hier kann ich mich besser erholen als auf Sylt, deren Brandung ein bisschen doll für mein Nervensystem ist.
Kurz vor meinem Geburtstag kommt überraschend meine Schwester zu Besuch und an meinem Geburtstag einer meiner Söhne – so verbringe ich diesen Tag in einer wunderbaren Runde von Herzensmenschen, die mich die letzten Jahre getragen haben und diesen Tag verzaubern. Ich bin so dankbar für diese Verbundenheit, die ich ebenso brauche wie das Alleinsein.
Fazit
So bin ich allein im Urlaub und doch wieder nicht. Ich bin stolz darauf, es gewagt zu haben, und froh, dass es so eine gute Erfahrung ist. Ich genieße das Alleinsein und die Gemeinschaft mit lieben Menschen. Und Karsten ist die ganze Zeit an meiner Seite und in meinem Herzen.
Die Trauer ist immer mit im Gepäck, schließlich ist sie ein Teil von mir – und eine Freundin, die mir zeigt, was ich brauche. Gerade im Urlaub hilft sie mir, ganz ich selbst zu sein – jenseits von „Good vibes only“!
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