Der SeelenSport® und ich

Sport hat mich gerettet!

Ich war nie eine Sportskanone. Ja, ich habe mich immer gern bewegt, bin in meiner Jugend viel Fahrrad gefahren, geschwommen, habe geturnt und getanzt, doch nie mit Ehrgeiz, sondern mehr aus Freude an der Bewegung. Als Studentin habe ich Hochschulsport gemacht und mich später im Fitnessstudio angemeldet, um nach der Geburt meiner Kinder wieder in Form zu kommen. Besonders die Kurse gefielen mir, weil ich dort mit Gleichgesinnten trainieren konnte. Während Corona war das Studio natürlich geschlossen, doch es gab Onlineangebote. Sie waren mein Ausgleich zum Home Office, wenngleich ich die Gemeinschaft vor Ort vermisste.

Dann starb im Mai 2021 mein Mann – mitten in der globalen Krise geriet ich zusätzlich persönlich in die schwerste Krise meines Lebens. Kurz nach Karstens Beerdigung meldete sich die Inhaberin des Fitnessstudios mit einer lieben Nachricht bei mir, die mit den Worten endete: „Wir hier im Studio würden uns sehr freuen, wenn wir etwas für dich tun könnten. Komm, wenn du soweit bist.“ Als wenig später wieder Präsenztraining möglich war, wagte ich den Weg dorthin – und es tat so gut! Ich spürte mich wieder, ich konnte selbst etwas für mich tun, für meine Kraft und gegen die Leere und Ohnmacht. Fortan ging ich fast täglich zum Sport. Er war in meiner frühen Trauer der einzige Ort, an dem es mir gut ging. Heute sage ich, dass er mich gerettet hat, so existentiell wichtig wurde die Bewegung für mich.

Vom Sport zum SeelenSport®

Apropos Rettung: Ganz früh schon fand ich auch den Weg zu meiner Trauerbegleiterin. Fels in der Brandung, Rettungsanker, Zuflucht in meinen Trauerstürmen. Sie war es auch, die mich auf den SeelenSport® hinwies und mir die beiden Bücher der Gründerin Katrin (Katy) Biber auslieh. In „Larissas Vermächtnis“ (Piper Verlag 2020) schreibt Katy über den Mord an ihrer Schwester, den Anstoß für die Entwicklung des SeelenSports – ich weinte quasi durch beim Lesen. „SeelenSport“ (Piper Verlag 2021) beschreibt das Konzept selbst. Ich war sofort Feuer und Flamme, entdeckte auch einige YouTube-Videos und begann damit zu trainieren. Außerdem meldete ich mich zum Newsletter an.

So erfuhr ich vom „SeelenSport-Adventskalender“ mit täglichen Übungen und Onlinetreffen in einer festen Gruppe, die von Katy selbst betreut wurde. Die Übungen und der Austausch mit den anderen Trauernden taten mir gut und gaben mir Halt in der emotional herausfordernden Advents- und Weihnachtszeit bis in den Jahresbeginn.

Urlaub in der Trauer - die Erholungswoche

Dann nahte der Sommer und mit ihm die Frage, wie um alles in der Welt ich die Ferien verbringen sollte. 2021 war ich, acht Wochen nach Karstens Tod, mit meinen erwachsenen Söhnen relativ spontan eine Woche ins Allgäu gefahren. Zu der Zeit war es das Richtige für uns drei, doch 2022 fühlte es sich nicht stimmig an: Schon die Jahre zuvor waren unsere Söhne immer ohne uns verreist – und ich mit Karsten … So war ich unglaublich froh über die SeelenSport-Erholungswoche in Tirol. Zwar hatte ich ein bisschen Bedenken („Wie werden wohl die anderen sein? Werde ich Anschluss finden oder mich einsam fühlen wie so oft in Gruppen?“), dachte aber gleichzeitig, dass die anderen so doof nicht sein können, wenn sie den SeelenSport auch toll finden. So fuhr ich im Juli direkt nach meiner Reha nach Reutte, und schon am ersten Abend war klar: Hier bin ich richtig! So viel Verbundenheit, Verständnis, Traurigkeit und schöne Momente nebeneinander, begleitet von Katy und ihrer Assistentin, mit SeelenSport-Training und Ausflügen in die wunderschöne Umgebung: einfach perfekt für mich!

Auch in den Folgejahren begleitete mich der SeelenSport regelmäßig: Ich war bei der Online-Herbstchallenge dabei und in den Wintern 22/23 und 23/24 beim Onlinekurs, der vom „Adventskalender“ zu „Winterkraft“ und noch umfangreicher und stärkender wurde. Im Sommer 2023 war ich noch einmal bei der Erholungswoche in Tirol und stellte fest, wie anders ich dort war als ein Jahr zuvor. Ich stand viel stabiler, konnte alles noch mehr genießen und erlebte die ersten richtigen Glücksmomente seit Karstens Tod: beim Radfahren ganz allein an unserem 20. Hochzeitstag und bei der Fahrt mit der Seilbahn über den Abgrund hinweg (s. Foto - nur Fliegen ist schöner, aber es kam nah dran!).

Von der Teilnehmerin zur Trainerin

Im Winterkraftkurs 23/24 bekam ich viele positive Rückmeldungen aus der Gruppe zu meine Nachrichten im Chat. Ich merkte, dass ich andere mit meinen Erfahrungen und Ideen unterstützen kann. So entstand in mir der Wunsch, selbst Trainerin zu werden, um anderen ebenfalls diese wertvollen Erfahrungen und die Stärkung durch SeelenSport zu ermöglichen. Im Sommer 2024 machte ich die Ausbildung und fühlte mich absolut am richtigen Platz – das hätte ich mir noch ein Jahr zuvor niemals vorstellen können.

Seit Anfang 2025 gebe ich nun selbst SeelenSport-Kurse. Aktuell mache ich die Ausbildung zur Trauerbegleiterin, um noch kompetenter und sicherer begleiten und alles halten zu können, was im Training entstehen kann. Die ersten Menschen haben in meine Einzelbegleitung gefunden und das ist erst der Anfang! Meine Vision ist, ganz verschiedene Formate zu entwickeln – vielfältige Angebote für vielfältige Menschen: SeelenSport und Trauerbegleitung sowohl separat als auch in Kombination, in der Gruppe und für Einzelpersonen, online und in Präsenz an den Orten, wo Raum für Trauer in Bewegung entstehen darf.

Rückblickend kann ich manchmal kaum glauben, wie es sich, wie ich mich in den vier Jahren seit Karstens Tod entwickelt habe. Allen, die dazu beigetragen haben, bin ich zutiefst dankbar – an dieser Stelle besonders Katy Biber von SeelenSport® und meiner Trauerbegleiterin Christine Kempkes, ohne die ich den SeelenSport vielleicht nicht gefunden hätte. Am dankbarsten jedoch bin ich meiner Trauer – meiner Superkraft! – und mir selbst, dass mein inneres Leuchten auch in den dunkelsten Momenten nie ganz erloschen ist.